#BERtesten

Im August 2020 durfte ich als Komparsin beim Probebetrieb am Flughafen BER teilnehmen. 

von MANUELA PFEIFER

Der erste Anlauf zur Teilnahme am Probebetrieb des neuen Berliner Flughafens scheiterte im Frühjahr 2020 leider an der Corona-Pandemie. Am 25. August klappte es dann aber endlich, und ich durfte als Komparsin am Probebetrieb mit insgesamt 400 Testern teilnehmen.

Nach der Registrierung bekam jeder von uns eine Warnweste, einen BER-Rucksack mit einer Thermotasse und weiteren kleinen Goodies sowie eine individuelle Anleitung für jeden Passagier.
Jeder von uns aktivierte an diesem Tag 4 “Flüge”: zwei Abflüge und 2 Ankünfte. Im 1. Durchlauf war ich Passagier “Gerda Schmidt” und flog von Berlin nach Friedrichshafen und zurück von Bournemouth nach Berlin. Mein zweiter Fantasiename gefiel mir besonders gut: Hiddeno Bonobo flog von Berlin nach München und zurück ab Southampton. Der Flug nach München war der einzige LH-Flug, die anderen Flüge waren mit Easyjet.

Natürlich flogen wir nicht wirklich, das hätte bei den seltsamen Verbindungen und Uhrzeiten auch gar nicht funktioniert ;-).

fiktive Ankünfte am Berliner Flughafen

Sonderereignisse

Einige Teilnehmer bekamen zusätzliche Aufgaben. Sie mussten ein Baby mitnehmen (eine Puppe im Buggy), den Wickelraum finden und das Baby vor dem Abflug versorgen. Eine andere Dame sollte zuerst Beten und danach Medikamente in der Apotheke besorgen. Wir waren uns sicher, dass die “Erfinder” der Sonderereignisse genauso viel Spaß bei ihrer Arbeit gehabt haben müssen wie diejenigen, die sich die Passagiernamen ausgedacht haben. Weitere Sonderaufgaben waren die Mitnahme eines Tieres oder einer Waffe. Ein Mann musste am Gate, also kurz vor dem Boarding Bescheid geben, dass es ihm nicht gut geht und er nicht mitfliegen kann. 

Es wurden also wirklich alle nur denkbaren Szenarien geprobt, und man merkte auch, dass das Üben auch für die Angestellten des Flughafens bzw. der zuständigen Dienstleister und Behörden sehr wichtig war. 

Es war übrigens streng untersagt, eigene Szenarien zu erfinden. An Ideen hätte es den meisten Teilnehmern vermutlich nicht gemangelt 😉

Meine Aufgabe war die Mitnahme von Übergepäck.

Check-In

Nachdem jeder sein zugewiesenes Gepäck abgeholt hatte, durchliefen wir das Standard-Prozedere eines jeden Flugreisenden: Check-In, Sicherheitskontrolle, Gate finden, Boarding.

Das Anstehen beim ersten Flug dauerte am längsten, da es für alle Easyjet-Abflüge (es wurden mehrere Abflüge relativ zeitgleich simuliert) nur einen Check-In-Bereich gab, an dem nur 3 Schalter besetzt waren. Zwischenzeitlich sogar nur 2, weil ein Mitarbeiter zwischendurch einfach mal eben verschwand. Besonders realistisch fand ich speziell diese Check-In-Situation bei Easyjet nicht, denn aufgrund der speziellen Preispolitik der Airline (Aufgabegepäck kostet immer extra) fliegen nach meiner Erfahrung aus jahrelangem Flugverkauf sehr viele Easyjet-Kunden nur mit Handgepäck. Beim Probelauf hatten aber wirklich alle Passagiere Koffer zum Aufgeben. Bei meinem 2. Abflug an diesem Tag (Lufthansa nach München) lief es deutlich routinierter und schneller ab, da es offensichtlich für diesen Check-In nur diese eine Maschine gab.

Die Koffer schienen übrigens allesamt verloren gegangenes Gepäck zu sein, inklusive Original-Inhalt. Vermutlich werden sie irgendwann auf einer Auktion versteigert.

 

Sicherheitskontrollen

Wir wurden im Vorfeld darauf hingewiesen, dass bei den Tests die übliche Sicherheitsstufe herrscht, wir also Dinge, die nicht ins Handgepäck dürfen, gleich zu Hause lassen sollen. Wie gut die Kontrollen funktionierten, durfte ich direkt am Beispiel meiner zwei Begleiter erfahren. 
Während meine mitgebrachte Handtasche und der BER-Rucksack ohne Probleme “durchgingen”, gab es bei den anderen Beiden Auffälligkeiten und deshalb manuelle Kontrollen. Im ersten Rucksack sollte ein Messer sein, worüber wir anfangs noch lachten. Warum sollte sie ein Messer in ihrem Rucksack haben? Aber tatsächlich: in irgendeinem Innenfach tauchte ein vergessenes Brötchenmesser vom letzten Picknick am See auf. In der anderen Tasche waren sage und schreibe 4 Feuerzeuge. Nur eines durfte die Besitzerin behalten.

Flüssigkeiten waren natürlich auch nur in Minimengen erlaubt, aber wir konnten unsere BER-Becher in allen Bereichen kostenfrei mit Wasser, Kaffee oder Tee auffüllen. Das galt natürlich nur für die Testphase, später wird man seine Getränke natürlich brav kaufen müssen.

Ich hatte mich beim 1. Durchlauf übrigens gewundert, warum alles nach den offiziellen Vorschriften laufen sollte, ich aber dennoch zwei Handgepäckstücke dabei haben durfte (derzeit ist wegen Corona nur 1 Stück erlaubt). Jeder von uns hatte natürlich von daheim eigenes Handgepäck in Form einer Handtasche oder eines Rucksacks dabei, und durch den zusätzlichen BER-Rucksack und das Lunchpaket hatten wir im Grunde jeder zuviel Handgepäck.

Als mir beim 2. Durchlauf dann plötzlich gesagt wurde, dass nur ein Handgepäckstück erlaubt sei (ich hatte in der 2. Runde den Auftrag mir zusätzlich einen kleinen Trolley zu holen), rutschte mir “Das ist jetzt aber nicht Ihr Ernst” heraus. Ich mein: Realtest hin oder her… den kleinen Koffer hatte man mir doch quasi aufgedrängt. Sollte ich jetzt meine eigene Handtasche in den Mülleimer werfen? Wie absurd das war, wurde dann wohl auch dem Herrn von der Security bewusst. Mit den Worten “Ach, ich habe jetzt auch keinen Bock mehr” winkte er mich durch. 

Gate & Boarding & "Flug"

Hinter den Sicherheitskontrollen befindet sich ja der Bereich, in dem üblicherweise diverse Geschäfte, Duty-Free-Stories und Gastronomie zu finden sind. Wir konnten nur erahnen, wie es dort einmal aussehen wird, denn so gut wie alle Bereiche waren noch eine absolute Baustelle. 

Den Weg zu unseren Gates (B10 + B12) fanden wir recht einfach dank der guten Ausschilderung. Sehr praktisch: die Angabe der Minuten, die man einrechnen muss, um zu Fuß von der Anzeigetafel bis zum Gate zu gelangen. Ein Gate war auf der normalen Ebene, zum anderen mussten wir Treppen nach unten nehmen. Ich könnte mir vorstellen, dass dies viele Passagiere etwas irritiert, aber man muss nur stur den Schildern folgen.

Das Boarding verlief unkompliziert. Der einzige Unterschied zum normalen Flug war: wir stiegen in einen modernen, gemütlichen Reisebus. Die Busfahrer waren echte Piloten, die uns mit der im Flugzeug üblichen Ansprache begrüssten und uns auf einer kleinen Rundfahrt über das Flughafengelände mit interessanten Details versorgten. Besonders der Pilot auf unserem ersten “Flug” war sehr witzig. Ich kann mir vorstellen, wie deprimierend es derzeit für Piloten sein muss, einen Bus übers Rollfeld zu manövrieren anstatt in einem Flugzeug-Cockpit zu sitzen. Umso schöner, wenn man sich seinen Humor bewahren konnte.

An diesem Flugzeug-Dummy wird das Andocken der Brücke geübt.

Ankunft

Unsere beiden Rückflüge kamen aus Großbritannien, was bedeutete dass wir aus dem Non-EU-Ausland zurückkehrten – ergo: Passkontrolle. Da wir für unsere Fake-Identitäten keine eigenen Pässe erhalten hatten, verwendeten wir unsere eigenen Ausweise. Es gab sowohl Passautomaten als auch Kontroll-Schalter mit echten Menschen hinter den Glasscheiben. Für jeden Geschmack also etwas dabei.

Beim zweiten Rückflug durften wir ewig nicht aus dem Bus aussteigen. Den Grund erfahren wir später vom Piloten. Die Damen und Herren vom Deboarding hatten irgendwie angenommen, dass die 33 Passagiere aus dem Bus vor uns bereits alle Reisenden waren und hatten das Deboarding im System einfach für beendet erklärt. Auch an dieser Stelle zeigte sich, dass solche Probetage absolut sinnvoll sind und hoffentlich dazu beitragen, dass so etwas im Realbetrieb nicht passiert. 
Unser Bus musste uns an einem anderen Gate rauslassen, wo es allerdings keine Passkontroll-Stelle gab. Wir reisten also sozusagen illegal vom unseren Testflug aus Großbritannien wieder in Deutschland ein.

Bei beiden Rückflügen wurden unsere Flugnummern nicht korrekt bzw. sogar gar nicht an den Ankunftstafeln in der Gepäckhalle angezeigt. Im echten Fall hätten wir also nicht gewusst, wo wir unsere Koffer abholen sollen. Um auf solche Fehler hinzuweisen, gab es überall Flughafen-Personal in roten Westen, die unsere Anmerkungen dankbar aufnahmen. 
 

Fazit

Der neue Berliner Flughafen ist architektonisch ziemlich gelungen und wirkt (trotz seines Alters 😉 ) modern. Mir sind nur Kleinigkeiten aufgefallen, die man in meinen Augen noch verbessern könnte: 

1. zu wenig Sitzmöglichkeiten in der Abflughalle
2. zu kleine Öffnungen an den Mülleimern
3. unpraktische Mülleimerklappen auf den Toiletten (das Handtuchpapier bleibt unappetitlich an der Öffnung hängen)

Ich bin sehr froh, beim Test dabei gewesen zu sein und wünsche dem BER, dass er Ende Oktober 2020 nun wirklich und endgültig öffnen darf.